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Posts mit dem Label "Bibel: Auslegung" werden angezeigt.

Hat Darwin Gott getötet?

Gestern stieß ich auf die sehr gute Doku „Did Darwin Kill God?“, die vom britischen Fernsehsender BBC im Darwin-Jahr 2009 ausgestrahlt wurde und Millionen Menschen erreichte. (Lasst euch nicht vom spanischen Titel des Youtube-Videos abschrecken, die Doku ist auf Englisch.) Der Philosoph und Theologe Conor Cunningham hat diese Doku erstellt, um seinen Landsleuten klarzumachen, dass die Neuen Atheisten um Richard Dawkins nicht Recht haben, wenn sie behaupten, die Evolutionstheorie habe den Glauben an Gott als Schöpfer widerlegt. Im Folgenden fasse ich wichtige Aussagen der Doku zusammen. Die Doku beginnt in der Antike mit den jüdischen und frühen christlichen Auslegern der Bibel und zeigt auf, dass ein wortwörtliches Verständnis der sechs Schöpfungstage aus Genesis 1 schon damals keineswegs die allgemeine Auffassung war. Der jüdische Philosoph und Theologe Philo von Alexandria wies darauf hin, dass das wortwörtliche Verständnis zu scheinbaren Widersprüchen führt, die sich auflösen, we...

Im Gedächtnis bewahrt: Die jüdischen Wurzeln der Evangelien

Um zu verstehen, wie die Überlieferung über Jesus in der Anfangszeit des Christentums bewahrt wurde, lohnt ein Blick auf die jüdische Lernkultur des 1. Jahrhunderts. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete der schwedische Neutestamentler Birger Gerhardsson in seiner 1961 veröffentlichten Doktorarbeit Memory and Manuscript . Gerhardssons Dissertation gehört bis heute zu den gründlichsten Untersuchungen zur jüdischen Traditionsweitergabe und ihrer Bedeutung für die Überlieferung der Worte und Taten Jesu. Mit seiner Dissertation Jesus als Lehrer (1981) vertiefte Rainer Riesner diesen Forschungsansatz und untersuchte, wie Jesus im jüdischen Bildungs- und Lehrbetrieb seiner Zeit gelehrt hat und wie seine Jünger ausgebildet wurden. Die folgenden Ausführungen basieren auf diesen beiden Doktorarbeiten und dem kleinen Buch Jesus und seine Schüler (1991) von Franz Stuhlhofer. Im Zentrum des jüdischen Lebens stand die Torah. Im engeren Sinn sind damit die fünf Bücher Mose gemeint; im weiteren S...

Babel oder Jerusalem? Papst Leo XIV. über das Menschsein im Zeitalter der KI

Dass Papst Leo XIV. seine erste Enzyklika  der Künstlichen Intelligenz widmet, überrascht nicht. Der Vatikan beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den ethischen Herausforderungen der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz. Hinzu kommt, dass der Papst Mathematik und Philosophie studierte, bevor er in den Augustinerorden eintrat und sich der Theologie zuwandte. Vor diesem Hintergrund macht er die Frage nach dem Menschen im Zeitalter der KI zum Thema seiner ersten Enzyklika. Mit der Enzyklika Magnifica Humanitas legt Papst Leo XIV. allerdings weit mehr vor als eine Stellungnahme zur Künstlichen Intelligenz. Bereits der Titel macht dies deutlich. Magnifica Humanitas bedeutet „großartige Menschheit“ oder „großartiges Menschsein“. Gemeint ist damit die einzigartige Würde, die der Mensch als Ebenbild Gottes hat und die bewahrt werden muss: „Wir haben die dringende Pflicht, zutiefst menschlich zu bleiben und liebevoll jenes großartige Menschsein zu bewahren, das uns gesch...

Francesco Redi, die Kirche und die Lehre von der Spontanzeugung

In der Antike und im Mittelalter war der Glaube, dass gewisse Lebewesen spontan entstehen können, weit verbreitet. Diese sogenannte Spontanzeugung schien durch Beobachtung belegt: In verwesendem Fleisch bilden sich Maden, nach der Überflutung der Nilufer kommen Frösche aus dem Schlamm, und in Kornspeichern wimmelt es auf einmal von Mäusen. So lehrte zum Beispiel der berühmte griechische Philosoph Aristoteles (4. Jh. v. Chr.), der die belebte Natur intensiv untersuchte, in seinen biologischen Schriften die Spontanzeugung, insbesondere bei Insekten. Da Insekteneier mit bloßem Auge kaum zu erkennen und zudem oft gut versteckt sind, wusste man damals von vielen Insektenarten nicht, dass sie Eier legen. Da es keinen Grund gab, an der Spontanzeugung zu zweifeln, wurde die Lehre von der Spontanzeugung schon von der frühen Kirche in die christliche Theologie integriert. Im Unterschied zu Aristoteles betrachteten die Kirchenväter aber die spontane Entstehung von Lebewesen nicht als etwas, was d...

Glaubte man im Mittelalter wirklich an die flache Erde?

Haben Sie auch in der Schule gelernt, dass Christopher Kolumbus von kirchlichen Vertretern gewarnt wurde, er würde nicht Indien erreichen, sondern vom Rand der Erde herunterfallen, wenn er immer weiter nach Westen segeln würde? Diese Geschichte ist erfunden, doch sie tauchte ab ca. dem Jahr 1880 in Schulbüchern auf und hat sich bis heute gehalten. Wie entstand dieser Mythos, wieso ist er so weit verbreitet, und was wussten gebildete Menschen und Kirchenvertreter im Mittelalter tatsächlich über die Gestalt der Erde? Dass die Erde eine Kugel ist, wussten die griechischen Denker schon einige Jahrhunderte vor Christus. Pythagoras und Platon glaubten beide an die Kugelgestalt der Erde. Aristoteles brachte im 4. Jahrhundert v. Chr. ein einfaches Argument dafür: die Erde wirft bei Mondfinsternissen einen runden Schatten auf den Mond. Eratosthenes berechnete im 3. Jahrhundert v. Chr. sogar den Erdumfang: Er beobachtete, dass in Assuan zur Sommersonnenwende ein Brunnen komplett beleuchtet war...

Wunder im Alten Testament

Wunderberichte sind für mich als Physikerin eine Herausforderung. Es scheint nicht stimmig, dass Gott die Welt gesetzmäßig geschaffen hat und dann immer wieder die von ihm verordneten Gesetze übertritt. Daher bin ich zunächst skeptisch, wenn ich eine Wundergeschichte höre oder lese. Es muss schon einen tieferen Grund für die Abweichung vom normalen Ablauf der Natur geben, damit ich ein Wunder akzeptiere. C.S. Lewis verglich Gott einmal mit einem Dichter, der sich für sein Werk ebenso wie Gott Gesetze vorgibt: das Reimschema und den Rhythmus. Wenn der Dichter an einer Stelle davon abweicht, dann will er damit einen besonderen Effekt erzielen oder etwas Besonderes ausdrücken (vorausgesetzt er ist kein schlechter Dichter, der es einfach nicht besser kann). Er folgt sozusagen der tieferen Logik seines Werks. Mit den Wundern, die Jesus tat, habe ich deswegen keine Probleme, weil ich einen tieferen Grund für sie sehe: sie sind ein Vorgeschmack der neuen Schöpfung ohne Krankheit und Leid, di...

Ein frommer Saurierforscher

 Friedrich Freiherr von Huene, seit 1898 Professor für Paläontologie in Tübingen, war zu seiner Zeit der führende Experte für fossile Reptilien und Amphibien in Europa und war weltweit insbesondere als Fachmann für Dinosaurier bekannt (so der Wikipedia-Eintrag zu seiner Person). Gleichzeitig war er ein gläubiger Christ, der die ganze Bibel als Gottes Wort betrachtete. Im Jahr 1937 schrieb er ein Büchlein mit dem Titel „Weg und Werk Gottes in Natur und Bibel“, in dem er seinen Mitchristen aufzeigt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Erdgeschichte und der Entwicklung des Lebens und des Menschen „Tatsachen“ sind, und erläutert, wie sie mit der biblischen Schöpfungs- und Heilsgeschichte zusammenpassen. Dieses Büchlein konnte ich gebraucht über das Internet bestellen und möchte einige Gedanken daraus weitergeben. Das Vorwort schrieb Huenes Kollege Karl Heim von der Fakultät für evangelische Theologie. Dort heißt es: In der Gemeinde der Gläubigen sind heute viele von der Fra...

Wie erschafft Gott?

Anfang dieses Jahres erschien das Buch „Schöpfung und Evolution? Drei Wissenschaftler. Drei Positionen. Eine Debatte.“ Siegfried Scherer, Reinhard Junker und ich stellen in diesem Buch jeweils unsere Position zu „Schöpfung und Evolution“ dar und beziehen in einer zweiten Runde Stellung zu den Texten der beiden anderen. Zum Abschluss geht jeder von uns auf diese Stellungnahmen ein. Reinhard Junker vertritt die Position der Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“, dass die Erde und das Universum jung sind und dass alle biologischen Grundformen fertig und nahezu gleichzeitig geschaffen wurden. Er untermauert sein Verständnis von Gottes Erschaffen mit biblischen Texten. Er erläutert dies anhand der Heilung eines Leprakranken durch Jesus (Markus 1, 40-42): Und es kam zu ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will’s tun; sei rein! Und a...

„Verlass dich nicht auf deinen Verstand!“

Das Buch der Sprüche in der Bibel enthält viele Weisheiten, und deshalb lese ich es gerne. Doch über einen Vers stolpere ich immer wieder. Er steht im Kapitel 3: „Verlass dich auf den Herrn von ganzen Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand“. Wie ist das gemeint? Der Verstand ist uns doch von Gott gegeben! Mit seiner Hilfe erforschen wir die Welt und gestalten unser Leben. Man kann diesen Bibelvers leicht missbrauchen: Der Chef, den ich in den 1990er Jahren in den USA hatte, war der Meinung, Christsein bedeute, dass man seinen Verstand abschalten und blind das glauben müsse, was die Kirche einem erzählt. Passend dazu habe ich schon von Mitchristen zu hören bekommen, dass man nicht den wissenschaftlichen Einsichten über die Geschichte der Erde und des Universums vertrauen dürfe, da der durch die Sünde verblendete Verstand nicht die Wahrheit erkennen könne. Man solle stattdessen der Bibel vertrauen. Auf der anderen Seite fallen mir Menschen ein, denen ich gerne raten würde,...

Des Kaisers neue Kleider

Vor einigen Jahren hielt ein bekannter Professor einen Vortrag über seine Quantentheorie des Universums im Physik-Kolloquium der TU Darmstadt. Je länger der Vortrag dauerte, desto mehr fühlte ich mich wie im Märchen „Des Kaisers neue Kleider“: Der Vortragende sprach von der „Wellenfunktion des Universums“, deren Zeitentwicklung deterministisch abläuft. Doch weder die Existenz dieser Wellenfunktion, noch die deterministische Zeitentwicklung ist durch Beobachtung belegbar. Im Gegenteil: Diese mathematische Beschreibung des Universums passt überhaupt nicht zu dem, wie wir das Universum tatsächlich wahrnehmen, nämlich als ein Universum, dessen Entwicklung kreative und unvorhersehbare Facetten hat. Im letzten Blogbeitrag habe ich argumentiert, dass schon ein Messgerät oder eine Katze nicht durch eine Wellenfunktion beschrieben werden kann. Für das Universum als Ganzes ist dies erst recht völlig unmöglich. Um seine Gleichungen mit der Beobachtung in Beziehung zu setzen, griff der Vortragend...