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Posts mit dem Label "Tod und Leid" werden angezeigt.

Was alte DNA über die Vergangenheit der Menschheit erzählt

Noch vor wenigen Jahrzehnten wusste man über die Herkunft der Europäer vorwiegend aus der Archäologie. Man verglich Werkzeuge, Keramik oder Begräbnissitten und versuchte daraus Wanderungen und kulturelle Veränderungen zu rekonstruieren. Heute können Forscher zusätzlich etwas ganz anderes untersuchen: die DNA von Menschen, die vor tausenden oder sogar zehntausenden Jahren gelebt haben. Knochen und Zähne aus Höhlen, Gräbern und archäologischen Ausgrabungsstätten enthalten oft noch lesbares Erbgut, auch wenn es in kleine Fragmente zerteilt. Allerdings müssen diese zuerst von einer viel größeren Menge nichtmenschlicher DNA getrennt werden, die von Mikroben stammt, die nach dem Tod die Knochen besiedeln. Wenn man dieses alte Erbgut mit dem Erbgut heutiger Menschen vergleicht, lassen sich erstaunlich genaue Informationen über Abstammung, Wanderungen und Vermischungen gewinnen. Dadurch erscheint die Geschichte Europas heute ganz anders als noch vor zwanzig Jahren. Eine Schlüsselrolle spielte...

Nachruf auf Jane Goodall

Am 1. Oktober starb die berühmte Schimpansenforscherin Jane Goodall. Ihre Forschung revolutionierte unsere Sicht auf Menschenaffen und zeigte, dass sie uns in mehrerer Hinsicht ähnlicher sind, als wir dachten. Jane Goodall wurde im Jahr 1934 in London geboren und wuchs an der englischen Südküste auf. Nach der Schule arbeitete Goodall zunächst als Sekretärin, da sie sich ein Universitätsstudium nicht leisten konnte. 1957 erfüllte sie sich jedoch ihren Kindheitstraum und reiste nach Afrika, wo sie den bekannten Paläoanthropologen Louis Leakey kennenlernte. Leakey erkannte ihr außergewöhnliches Beobachtungstalent und schickte sie 1960 nach Tansania, um das Verhalten wildlebender Schimpansen im Gombe-Stream-Nationalpark zu erforschen. Mit viel Geduld gewann sie das Vertrauen der Schimpansen und konnte die Tiere aus nächster Nähe beobachten. Sie entdeckte, dass Schimpansen Werkzeuge herstellen und gezielt einsetzen. Sie benutzen Grashalme, um Termiten aus ihren Bauten zu fischen, und verw...

Ein frommer Saurierforscher

 Friedrich Freiherr von Huene, seit 1898 Professor für Paläontologie in Tübingen, war zu seiner Zeit der führende Experte für fossile Reptilien und Amphibien in Europa und war weltweit insbesondere als Fachmann für Dinosaurier bekannt (so der Wikipedia-Eintrag zu seiner Person). Gleichzeitig war er ein gläubiger Christ, der die ganze Bibel als Gottes Wort betrachtete. Im Jahr 1937 schrieb er ein Büchlein mit dem Titel „Weg und Werk Gottes in Natur und Bibel“, in dem er seinen Mitchristen aufzeigt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Erdgeschichte und der Entwicklung des Lebens und des Menschen „Tatsachen“ sind, und erläutert, wie sie mit der biblischen Schöpfungs- und Heilsgeschichte zusammenpassen. Dieses Büchlein konnte ich gebraucht über das Internet bestellen und möchte einige Gedanken daraus weitergeben. Das Vorwort schrieb Huenes Kollege Karl Heim von der Fakultät für evangelische Theologie. Dort heißt es: In der Gemeinde der Gläubigen sind heute viele von der Fra...

Harald Lesch und der Sinn des Lebens

In der zweiten Folge der Doku-Reihe „Die großen Fragen“ mit Harald Lesch geht es um die Frage: „Was ist der Sinn des Lebens?“ Die Sendung ist ebenso wie die vorige sehr gut gemacht. Harald Lesch beleuchtet als Wissenschaftler von vielen Seiten die Frage nach dem Sinn des Lebens. Er beginnt mit der Beobachtung, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt. Nur wir Menschen sind uns unserer Vergänglichkeit bewusst. „Es gibt keine größeren Fragen als die nach dem Warum und Wozu.“ Das älteste uns bekannte Schriftzeugnis zur Sinnfrage ist das Gilgemesch-Epos, das vor fast 5000 Jahren auf sumerischen Keilschrifttafeln niedergeschrieben wurde. Der König Gilgamesch begibt sich nach dem Tod seines Freundes auf die Suche nach der Unsterblichkeit und erkennt schließlich, dass er sie nur gewinnt, wenn er die Herzen der Menschen gewinnt. So findet er schließlich den Sinn seines Lebens darin, ein guter König zu sein. Über die Jahrhunderte haben sich v...

Harald Lesch und die Frage nach Gott

Kürzlich strahlte das ZDF eine Terra X-Sendung mit Harald Lesch zur Frage „Gibt es Gott?“ aus. Harald Lesch ist bekannt dafür, dass er an Gott glaubt. Er hat sich zum Beispiel in einem Interview im Jahr 2010 als „Protestant vom Scheitel bis zur Sohle“ bezeichnet. Daher war ich sehr gespannt zu erfahren, was er in der Sendung sagt. Mein Eindruck ist gemischt: Die Sendung ist, wie man es bei Terra X gewohnt ist, gut gemacht, und es werden viele Aspekte der Frage nach Gott angeprochen: Die Feinabstimmung im Universum, die Komplexität biologischer Systeme, Krankenheilungen in Lourdes, das „religiöse Zentrum“ in unserem Gehirn, die Religiosität der Steinzeitmenschen, die Frage nach dem Leid und Gottesbeweise. Lesch stellt bei allen Themen beide Seiten dar: Argumente, die für Gott vorgebracht wurden und Gegenargumente. Einige seiner Aussagen sind dabei richtig gut: Die Beobachtung, dass die Stimulierung gewisser Hirnregionen mit religiösen Erfahrungen einhergeht, kommentiert er so (25:50...

Gewalt unter Pflanzen

Wenn ich das Wort ‚Paradies‘ höre, taucht vor meinem inneren Auge unwillkürlich ein Bild von einer üppigen Pflanzenwelt auf mit einer Vielfalt von Tieren, die sich von diesen Pflanzen ernähren. Raubtiere kommen in dieser heilen Welt nicht vor. Und wenn es dort Löwen gibt, dann fressen sie Stroh. So ähnlich wird es oft dargestellt, und dies hat sich uns tief eingeprägt. Mein gesamtes ökologisches Wissen über die Unmöglichkeit einer solchen Szene mit unseren irdischen Lebewesen kann dieses Bild nicht wegwischen… So kam es, dass ich überrascht und enttäuscht war, als ich lernte, dass es selbst unter Pflanzen Gewalt und Ausbeutung gibt. Ein Vortrag und eine Führung des Leiters des Darmstädter Botanischen Gartens, Stefan Schneckenburger, führte dies plastisch vor Augen. Einige Beispiele möchte ich im Folgenden vorstellen. Bei der Würgefeige ist der Name Programm: Sie erwürgt den Baum, auf dem sie wächst, und verschafft sich so einen Platz im Regenwald. Auf der Seite Faszination Regenwal...

Warum erlaubt Gott Leid und Tod in der Schöpfung?

Die Frage, warum Gott das Leid zulässt, ist die sogenannte Theodizee-Frage (von griechisch theodikia = Gerechtigkeit Gottes, Rechtfertigung Gottes). Sie wird öfters als philosophisches Dilemma formuliert, indem man die folgenden drei Aussagen betrachtet, die von Christen bejaht werden: Gott ist allmächtig. Gott ist gut. Es gibt Leid in der Welt. Daraus wird von Religionskritikern ein Widerspruch konstruiert: Ein guter Gott will kein Leid. Wenn er allmächtig ist, kann er das Leid verhindern. Also kann es kein Leid geben, wenn Gott allmächtig und gut ist. Also ist Gott entweder nicht allmächtig oder nicht gut, oder es gibt ihn gar nicht. (Alternativ gibt es noch die Denkmöglichkeit, dass Leid nur eine Illusion ist. Und man kann fragen, was „allmächtig“ und „gut“ bedeutet, doch in diese Diskussionen möchte ich hier nicht einsteigen.) Die Folgerung, dass mindestens eine der drei Aussagen nicht stimmen kann, ist allerdings nicht logisch zwingend. Ein allmächtiger und guter Gott kann Gründ...

Paulus, Adam und der Tod

An diesem Sonntag feiern wir die Auferstehung Jesu von den Toten. Noch mehr: Wir feiern den Sieg über den Tod und die Verheißung des ewigen Lebens. Der Apostel Paulus formuliert es sehr eindrücklich in seinem ersten Brief an die Korinther im 15. Kapitel (Verse 54+55): „Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?“ Das Osterfest ist ein guter Anlass, über die Bedeutung des Todes in der Bibel, und insbesondere bei Paulus, nachzudenken. Paulus macht an zwei Stellen Aussagen, die oft so verstanden werden, dass erst durch die Sünde Adams der Tod in die Welt kam. Die eine Stelle ist 1. Kor. 15,21: „Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“ Die andere Stelle ist Röm. 5,12: „Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Me...

Die Rolle von Viren in der Schöpfung

COVID-19, AIDS, Vogelgrippe, Ebola, spanische Grippe – diese und viele andere gefährliche Krankheiten werden durch Viren ausgelöst. Wenn wir von einer besseren Welt träumen dürften, wäre das doch bestimmt eine Welt ohne Viren – oder? Leider ist das nicht so einfach. Die erwähnten Krankheitsviren sind nur ein verschwindender Teil der riesigen Vielfalt von Viren, die es in der Natur gibt. Die meisten von ihnen scheinen keine sichtbaren Krankheitssymptome hervorzurufen. Man schätzt, dass es weit mehr als 100 Millionen Virenarten gibt, die Tiere befallen, und unzählige weitere Viren für Pflanzen und Bakterien. Anhand der wenigen Viren, die bisher erforscht wurden, wissen wir, dass Viren auf vielfältige Art einzelne Organismen und ganze Ökosysteme beeinflussen. Alles Leben scheint von ihnen abhängig zu sein. Im Erdboden und sogar im Ozean wimmelt es von Viren. Jeder Milliliter Tiefseewasser enthält drei Millionen Viren, und jeder Milliliter Küstenwasser enthält 100 Millionen Viren. Eini...