Posts

Posts mit dem Label "Glaubensbekenntnis" werden angezeigt.

Das Grabtuch von Turin

In letzter Zeit wurde ich mehrfach auf das Grabtuch von Turin hingewiesen. Einige betrachten es als Beleg der Auferstehung Jesu, andere wollen aus der DNA, die man auf diesen Grabtuch findet, die Jungfrauengeburt nachweisen. Was ist dran an diesem Grabtuch? Das Grabtuch von Turin ist ein ca. 4,4 mal 1,1 Meter großes Leinentuch, das ein Ganzkörper-Bildnis der Vorder- und Rückseite eines Menschen zeigt, der Spuren von Geißelung und Kreuzigung trägt. Es wird im Turiner Dom aufbewahrt und gilt vielen als Leichentuch Jesu Christi, während Wissenschaftler über Echtheit oder mittelalterliche Herstellung debattieren. Die erste nachgewiesene Erwähnung des Grabtuchs findet man im 14. Jahrhundert. Es gibt allerdings mehrere umstrittene Hinweise und Theorien, dass es schon früher existiert haben könnte. In den 1350er Jahren tauchte das Tuch in dem kleinen Ort Lirey in der Champagne in Frankreich auf, nahe Troyes. Dort gründete der Ritter Geoffroi de Charny eine Stiftskirche, in der das Tuch öff...

Ist der Glaube nur Wunschdenken?

Beruht der Glaube an ein Leben nach dem Tod auf Wunschdenken? Glaube ich nur deshalb an einen persönlichen Gott, weil mein Sicherheitsbedürfnis dies verlangt? In Diskussionen der vergangenen Monate begegneten mir öfters Einwände dieser Art. Was würden Sie darauf antworten? Es gibt eine Reihe von Gegenargumenten. Der Vorwurf des Wunschdenkens kann gegen jede Art von Glauben oder Unglauben erhoben werden. Auch eine atheistische Einstellung kann Wunschdenken sein, z.B. wenn man nicht möchte, dass es einen Gott gibt, der Rechenschaft für unser Tun verlangt. Der Philosoph Thomas Nagel gibt seinen Wunsch, dass es keinen Gott gibt, offen zu : Ich will, dass Atheismus wahr ist, und es verunsichert mich, dass einige der intelligentesten und am besten informierten Leute, die ich kenne, gläubig sind. Es ist nicht nur der Fall, dass ich nicht an Gott glaube und natürlich hoffe, dass ich mit diesem Glauben Recht habe. Es ist vielmehr so, dass ich hoffe, dass es keinen Gott gibt...

Ich glaube … an die Auferstehung der Toten und das ewige Leben

Am vergangenen Wochenende haben wir Ostern gefeiert. An diesem wichtigsten kirchlichen Fest denken die Christen an die Auferstehung Jesu von den Toten. Die Evangelien erzählen, dass am übernächsten Morgen nach der Kreuzigung einige Frauen aus dem Kreis der Jünger zu Jesu Grab gingen, um ihn einzubalsamieren. Doch sie fanden ein leeres Grab, und ein Mann in einem weißen Gewand sagte ihnen, dass Jesus auferstanden sei (Mk. 16,6). In den folgenden Tagen erschien der auferstandene Jesus nicht nur seinem engen Jüngerkreis, sondern sogar mehreren hundert Menschen, wie der Apostel Paulus berichtet (1. Kor. 15,5). In demselben Kapitel schreibt Paulus, dass die Auferstehung Jesu der Beginn einer umfassenden Erneuerung der Schöpfung ist. Eines Tages werden alle Menschen auferstehen: „Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind. Wie sie in Adam alle sterben, werden sie in Christus alle lebendig.“ (Verse 20 und 22) Entsprechend heißt es am E...

Aufgefahren in den Himmel

Am Donnerstag ist Christi Himmelfahrt. Viele können mit diesem Feiertag nichts anfangen. Oft wird er stattdessen „Vatertag“ genannt. Doch die frühe Kirche hielt die „Himmelfahrt“ für so wichtig, dass sie sie ins apostolische Glaubensbekenntnis aufnahm: „Aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes. Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Ist der Glaube an die „Himmelfahrt“ nicht schon längst veraltet? Ihm liegt doch noch das alte dreistöckige Weltbild zugrunde mit dem Himmel Gottes über der Erde und dem Totenreich im Inneren der Erde. Tatsächlich wird auch das Totenreich im Glaubensbekenntnis erwähnt: „Hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ heißt es zwei Sätze vor der Himmelfahrt. Doch man darf diese Formulierungen der frühen Kirche nicht verübeln. Jeder von uns muss das, was er sagen will, in der Sprache und den Vorstellungen seiner Zeit ausdrücken. Wer sich vorstellt, dass Gott oben im Himmel wohnt, stellt sich auch vor, dass jemand, der zu Gott ge...

In memoriam John Polkinghorne

Am 9. März verstarb eine der auf dem Gebiet „Glaube und Naturwissenschaft“ bekanntesten Persönlichkeiten, John Polkinghorne, im Alter von 90 Jahren. Er war von 1968 bis 1979 Professor für Mathematische Physik an der Universität Cambridge und wurde für seine wichtigen Beiträge zur Elementarteilchenphysik zum Fellow der Royal Society ernannt. Im Alter von 49 Jahren gab er seine prestigeträchtige Position an der Universität auf, um Theologie zu studieren und Priester zu werden. Diesen Schritt begründete er so: „Ich habe nicht die Wissenschaft verlassen, weil ich desillusioniert gewesen wäre, sondern weil ich den Eindruck hatte, dass ich nach 25 Jahren soviel zur Forschung beigetragen hatte, wie ich konnte. Ich arbeitete an sehr mathematischen Aspekten der Physik, und dort bringt man seine beste Leistung, bevor man 45 Jahre alt ist. Nachdem ich diese Schwelle überschritten hatte, dachte ich, ich sollte etwas Neues anfangen. Weil das Christentum immer ein zentraler Teil meines Lebens war, s...

Geboren von der Jungfrau Maria

Vor einigen Jahren bekam ich eine Email von einem Chemie-Professor, der mich fragte, ob ich an die Jungfrauengeburt Jesu glaube, und wenn Ja, wie ich sie erkläre. Ich dachte eine Weile nach, bevor ich die Antwort schrieb. Vieles schwirrte durch meinen Kopf: Die Jungfrauengeburt Jesu als tatsächliches Ereignis wird von noch weniger Theologen vertreten als die leibliche Auferstehung Jesu. Man ordnet sie meist in den Bereich des Mythischen ein oder versteht sie als Metapher. Man sagt, die frühe Kirche wollte mit der Jungfrauengeburt den göttlichen Ursprung Jesu ausdrücken. Nur zwei der vier Evangelien (Matthäus und Lukas) erwähnen die Jungfrauengeburt überhaupt. Bei Johannes gibt es eine Stelle, die man als Anspielung darauf verstehen kann, dass Jesus unehelich gezeugt wurde (Joh. 8, 41). Im Rest des Neuen Testaments wird nichts von der Jungfrauengeburt Jesu erwähnt. Doch die Jungfrauengeburt Jesu war der frühen Kirche offensichtlich so wichtig, dass sie sie ins apostolische Glauben...

Am dritten Tage auferstanden von den Toten

Immer wieder erlebe ich überraschte Reaktionen, wenn ich sage, dass die Auferstehung Jesu von den Toten die Grundlage meines Glaubens ist. Der Glaube ist für viele etwas Subjektives, das niemand überprüfen oder widerlegen kann. Die Auferstehung Jesu dagegen ist ein behauptetes historisches Ereignis, für das man die Belege überprüfen kann und im ungünstigsten Fall feststellen muss, dass die These nicht haltbar ist. Noch schlimmer, die Auferstehung Jesu ist ein Wunder, das den naturgesetzmäßigen Abläufen widerspricht. Tote werden nun mal nicht wieder lebendig, und schon gar nicht so, dass sie danach verschlossene Räume betreten und plötzlich wieder verschwinden können. Wie kann ich als Physikerin so verrückt sein, die biblischen Berichte, die dies erzählen, für glaubwürdig zu halten? Es gibt nicht wenige Theologen, die sich dieser doppelten Gefahr, durch historische Forschung widerlegt und durch Naturwissenschaftler belächelt zu werden, dadurch entziehen, dass sie die Auferstehung Jesu ...