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Geboren von der Jungfrau Maria

Vor ein igen Jahren bekam ich eine Email von einem Chemie-Professor, der mich fragte, ob ich an die Jungfrauengeburt Jesu glaube, und wenn Ja, wie ich sie erkläre. Ich dachte eine Weile nach, bevor ich die Antwort schrieb. Vieles schwirrte durch meinen Kopf: Die Jungfrauengeburt Jesu als tatsächliches Ereignis wird von noch weniger Theolog en vertreten als die leibliche Auferstehung Jesu. Man ordnet sie meist in den Bereich des Mythischen ein oder versteht sie als Metapher. Man sagt, die frühe Kirche wollte mit der Jungfrauengeburt den göttlichen Ursprung Jesu ausdrücken. Nur zwei der vier Evangelien (Matthäus und Lukas) erwähnen die Jungfrauengeburt überhaupt. Bei Johannes gibt es eine Stelle, die man als Anspielung darauf verstehen kann, dass Jesus unehelich gezeugt wurde (Joh. 8, 41). Im Rest des Neuen Testaments wird nichts von der Jungfrauengeburt Jesu erwähnt. Doch d ie Jungfrauengeburt Jesu war der frühen Kirche offensichtlich so wichtig, dass sie sie ins apostolische Gl

Die verlorengegangene Welt von Genesis 1

Der biblische Schöpfungsbericht (d.h. das erste Kapitel der Bibel) wurde im Laufe der Jahrhunderte auf vielfältige Art ausgelegt. Sowohl die jüdischen Ausleger, als auch die Kirchenväter hatten hierbei eine große Offenheit für die verschiedenen möglichen Lesarten des Textes. Die Hauptbotschaft dieses Textes ist klar: Gott hat alles durch sein Wort geschaffen, selbst Sonne und Mond, die in anderen Kulturen als Götter angesehen wurden. Doch über das „Wie?“ und die dabei verflossenen Zeiträume gibt es verschiedene Auffassungen. Ich habe im Blogbeitrag vom 10.10. („Die lange Geschichte der Erde“) erwähnt, dass die wortwörtliche 7-Tage-Auslegung durch die Entdeckungen der Geologen seit ca. 1800 nicht mehr in Frage kam. Stattdessen kamen die Lückentheorie, die Tag-Zeitalter-Theorie und die schematische Sicht ins Gespräch. Oft wird der Text dabei mit der Brille unserer Kultur und unseres Naturverständnisses gelesen, ohne dass man sich bewusst macht, was er den ursprünglichen Adressaten des er

Darwins Theorie und ihre Vorläufer

Evolutionäre Ideen gab es schon seit der Antike . Die Frage, ob Spezies sich ändern können oder immer gleich geblieben sind, stellt sich jedem, der ähnliche Arten sieht, die jeweils an ihre Umgebung angepasst sind. So haben z.B. die Polarfüchse im Winter ein dichtes weißes Fell, das sie wärmt und tarnt, und die Wüstenfüchse haben große, gut durchblutete Ohren, die das Kühlen des Bluts erleichtern. Es ist plausibel, dass die Füchse, die einst in diese Lebensräume einwanderten, sich dort angepasst haben. Die Frage, ob auch größere Veränderungen der Spezies stattgefunden haben, wurde durch die Entdeckungen der Geologie ab dem 18. Jh. nahegelegt. Wie ich im Blogbeitrag vom 10.10. („Die lange Geschichte der Erde“) erzählt habe, zeigte sich, dass die Erde eine lange und wechselvolle Geschichte hat und dass es zu verschiedenen Zeiten in derselben Region verschiedene Lebensformen gegeben hat. Zunächst konnte man noch nicht ausschließen, dass die neuen Lebensformen einer Region von anderswo ei

Woher kommt der viele Kohlenstoff?

 Für das Leben auf der Erde ist Kohlenstoff das wichtigste chemische Element. Kohlenstoffatome können gleichzeitig bis zu vier chemische Bindungen haben. Sie können sich sowohl untereinander, als auch mit einer Reihe von weiteren Atomen verbinden und so lange Kettenmoleküle bilden. Nur dadurch wird die komplexe Biochemie möglich, mit der Lebewesen ihre Zellen aufbauen und aus Nahrung Energie gewinnen. Die wichtigen Biomoleküle unseres Körpers (DNA, Proteine, Kohlenhydrate und Fette) enthalten alle viel Kohlenstoff, der ca. 50 Prozent der Trockenmasse von Lebewesen bildet. Im Universum ist Kohlenstoff, gemessen nach Masse, das vierthäufigste Element. Doch es war lange Zeit ein Rätsel, wie diese große Menge an Kohlenstoff entstehen konnte. Im vorletzten Blogbeitrag („Am Anfang war der Urknall“ vom 25.10.) habe ich davon geschrieben, dass Alpher und Gamov in den 1940er Jahren ausrechneten, dass in den ersten Minuten nach dem Urknall ein Viertel des anfänglichen Wasserstoffs zu Heliu

Wieviele Israeliten zogen aus Ägypten?

Die Geschichten vom Auszug aus Ägypten und Bundesschluss am Sinai sind die zentralen Geschichten des Alten Testaments und in ihrer Bedeutung vergleichbar mit der Kreuzigung und Auferstehung Jesu im Neuen Testament. Sie stiften die Identität des Volkes Israel und seines Glaubens. Entsprechend häufig werden sie im Alten Testament erwähnt. Doch seit dem Aufkommen der Bibelkritik im 18. Jh. werden diese Geschichten in der universitären Theologie angezweifelt. Viele meinen, dass sie gar nicht historisch sind, sondern dass die Israeliten von Anfang an in Kanaan gelebt haben. Diejenigen, die der biblischen Version einen gewissen historischen Kern zugestehen, glauben, dass eine kleine Gruppe ä gyptischer Herkunft sich den in Kanaan wohnenden Israeliten angeschlossen hat. Die Zweifel an der biblischen Darstellung beruhen auf den wundersamen Elementen der Geschichten, auf fehlenden außerbiblischen Quellen, auf der scheinbar nicht in die damalige Zeit passenden Komplexität des

Am Anfang war der Urknall

Die Erforschung der Geschichte unseres Universums ist für mich eine der beeindruckendsten Errungenschaften der Naturwissenschaft. Wie die Physiker darauf kamen, dass das Universum mit dem „Urknall“ begann, und welche weltanschaulichen Diskussionen das auslöste, möchte ich heute erzählen. Nachdem man entdeckt hatte, dass die Erde Milliarden von Jahren alt ist (darüber habe ich im vorletzten Beitrag berichtet), war klar, dass das Universum mindestens genauso alt sein muss. Bis in die 1960er Jahre waren viele Wissenschaftler der Überzeugung, dass das Universum schon immer existiert hat, also keinen Anfang hatte. Einen plötzlichen Anfang empfand man als unästhetisch; die Naturgesetze schienen zeitlos gültig zu sein. Insbesondere wer glaubte, dass außer dem Universum nichts weiter existiert, musste eigentlich folgern, dass es ewig ist, denn es kann ja dann nicht durch etwas anderes verursacht worden sein. Doch es gab auch Zweifel an der Ewigkeit des Universums. Der Physiker Ludwig Boltzmann

Gehen die Evangelien auf Augenzeugenberichte zurück?

In den vergangenen Jahrzehnten wurden diverse Theorien über die Entstehung der Evangelien hervorgebracht und darüber, welche Taten und Aussagen Jesu authentisch sind und welche später von der Gemeinde hinzugefügt oder neu interpretiert wurden. Manche vertreten die Auffassung, dass der historische Jesus in den Evangelien kaum zu erkennen sei, andere argumentieren, dass hier ein authentisches Portrait von Jesus gezeichnet wird. Für Ersteres ist wohl Rudolf Bultmann der bekannteste Name, Letzteres ist z.B. die Sicht des vorigen Papstes Benedikt XVI, die er in seinem dreibändigen Werk „ Jesus von Nazareth “ zum Ausdruck bringt. Ich muss gestehen, dass mich Lehrmeinungen, die große Teile der Evangelien als nachträgliche Ergänzungen und Interpretationen der Gemeinde sehen, nicht überzeugen. Da es keine historischen Dokumente gibt, anhand derer man verschiedene Entwicklungsstufen der Evangelien nachweisen könnte, scheint hier vieles Spekulation und Sache von vorgefassten Meinungen darüber z