Im Gedächtnis bewahrt: Die jüdischen Wurzeln der Evangelien
Um zu verstehen, wie die Ü berlieferung über Jesus in de r Anfangszeit des Christentums bewahrt wurde, lohnt ein Blick auf die jüdische Lernkultur des 1. Jahrhunderts. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete der schwedische Neutestamentler Birger Gerhardsson in seiner 1961 veröffentlichten D oktorarbeit Memory and Manuscript . Gerhardssons Dissertation gehört bis heute zu den gründlichsten Untersuchungen zur jüdischen Traditionsweitergabe und ihrer Bedeutung für die Überlieferung der Worte und Taten Jesu. Mit seiner Dissertation Jesus als Lehrer (1981) vertiefte Rainer Riesner diesen Forschungsansatz und untersuchte, wie Jesus im jüdischen Bildungs- und Lehrbetrieb seiner Zeit gelehrt hat und wie seine Jünger ausgebildet wurden. Die folgenden Ausführungen basieren auf diesen beiden Doktorarbeiten und dem kleinen Buch Jesus und seine Schüler (1991) von Franz Stuhlhofer. Im Zentrum des jüdischen Lebens stand die Torah. Im engeren Sinn sind damit die fünf Bücher Mose gemeint; im ...