Dogmatismus in der Biologie
In den vergangenen Jahrzehnten hatte ich mehrere Forschungsprojekte in der Biologie. Dabei fiel mir ein Unterschied zur Physik auf: In der Biologie schienen bestimmte Auffassungen erstaunlich lange als nahezu unangreifbar zu gelten. Besonders in der Evolutionsbiologie hatte ich mehrfach den Eindruck, dass alternative Ideen zunächst beinahe reflexartig abgewehrt wurden, wenn sie den von bestimmten Autoritätspersonen vertretenen Lehrmeinungen widersprachen. Einer meiner Biologie-Kollegen sprach in diesem Zusammenhang von „Platzhirschen“. Mit Interesse habe ich deshalb beobachtet, wie sich bei mehreren Themen im Laufe der Jahre die wissenschaftliche Stimmung allmählich wandelte. Im Folgenden möchte ich drei solche Beispiele betrachten: 1. die Frage der sympatrischen Artbildung, 2. die Diskussion um Gruppenselektion und 3. die Durchlässigkeit der Weismann-Barriere. Früher galt in der Evolutionsbiologie fast als selbstverständlich, dass neue Arten nur durch geografische Trennung entstehe...