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Wer oder was hat mich geheilt?

Vor wenigen Wochen habe ich mich bei meinem Arbeitgeber, der TU Darmstadt, wieder gesund gemeldet – nach 21 Monaten Krankschreibung. Ich bin zwar noch längst nicht so leistungsfähig wie vor der Erkrankung an Long Covid und benötige regelmäßige Ruhepausen, aber ich kann wieder arbeiten und am Leben teilhaben. Fast 15 Monate lang war ich durch die Krankheit so stark eingeschränkt, dass ich nicht Fahrrad fahren und nicht weit gehen konnte. Auch das Stehen war anstrengend, so dass ich das Zähneputzen und Waschen immer im Sitzen machte. Ich war bis auf Taxifahrten zu Ärzten oder zum Friseur weitgehend an die Wohnung gebunden. Mein Mann machte fast den gesamten Haushalt. Zeitenweise konnte ich noch nicht einmal zum Essen in die Küche kommen und dort auf dem Hocker sitzen. Auch der Weg vom Sofa ins Bad war dann so anstrengend, dass ich ihn so selten wie möglich machte. (Ich berichtete im Januar vergangenen Jahres von der ersten Zeit meiner Erkrankung.) Zweimal war ich im Krankenhaus. Ich füh...

Long Covid

Es hat mich getroffen: Long Covid. Genaugenommen kann ich nicht nachweisen, dass es Long Covid ist, denn die Schnelltests waren immer negativ. Und weil die Infektion, die im August im Urlaub geschah, so leicht war, machte ich keinen PCR-Test. Doch die Symptome passen nach Aussage mehrerer Ärzte genau zum Corona-Virus. Seit der Infektion war ich nur wenig körperlich belastbar und hatte insbesondere Mühe beim Treppensteigen. Da ich mich wohl nicht genügend schonte, verschlimmerte sich mein Zustand mehrfach. Nach acht Wochen ging gar nichts mehr: Ungefähr sechs Wochen lang lag ich tagsüber fast nur auf dem Sofa. Selbst der Weg ins Bad war anstrengend und trieb Blutdruck und Puls in die Höhe. Zum Waschen und Zähneputzen setzte ich mich, weil Stehen zu viel Kraft kostete. Mein Mann machte den gesamten Haushalt und brachte sogar das Essen ans Sofa, weil der Weg zum Hocker in der Küche zu mühsam war. Lesen und Email-Schreiben konnte ich nur in kleinen Portionen. Zoom-Besprechungen gingen gar ...

Was hilft gegen Verschwörungserzählungen?

Ende letzten Jahres wurde mein Glaube an die Vernunft der Menschen mal wieder erschüttert. Ein sehr intelligenter Mensch aus meinem weiteren Umfeld, Philosophieprofessor von Beruf, outete sich als jemand, der weder an die Wirksamkeit von Masken glaubt, noch dass das SARS-CoV-2-Virus gefährlicher als normale Erkältungsviren sei. Wir würden von der Regierung und den Medien zu diesem Thema permanent angelogen. Die Corona-Schutzmaßnahmen würden letztlich dazu führen, die Religionsfreiheit abzuschaffen. Mehrere Personen aus unserem (christlichen, akademischen) Email-Verteiler versuchten, ihn mit Argumenten, Daten und Fakten zu widerlegen, doch das zeigte bei ihm keinerlei Wirkung. Er meinte, dass Laien durch logisches Nachdenken zu zuverlässigeren Schlussfolgerungen kommen können als Fachexperten und dass wir alle „Schlafschafe“ seien, die nicht kapieren, welches Spiel mit uns gespielt wird. Dieses Erlebnis verunsicherte mich zutiefst. Wenn ein so intelligenter Mensch sich so verrennen kan...

Warum ich mich impfen lassen werde

Hoffentlich wird es bald soviel Impfdosen geben, dass jedem eine Corona-Impfung angeboten werden kann. Mit Sorge beobachte ich, dass es viel Skepsis gegenüber den Impfungen gibt, auch unter Christen. Es gibt zwei Gründe, warum ich mich impfen lassen werde und bereit bin, jeden Impfstoff zu nehmen, der mir angeboten wird. Der erste Grund ist moralischer Natur: Um die Ausbreitung des Corona-Virus wirkungsvoll einzudämmen, müssen möglichst viele Personen möglichst zügig geimpft werden. Dazu möchte ich meinen Beitrag leisten und mich impfen lassen, sobald dies möglich ist. Jesus hat in der Bergpredigt gesagt (Mt. 7,12): „Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihnen auch“. Der Philosoph Immanuel Kant hat es etwas formaler ausgedrückt in seinem 'kategorischen Imperativ': „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Einfacher formuliert: „Tu das, von dem du möchtest, dass alle anderen es ...

Erkenne die Grenzen deines Wissens

„ Knowing Our Limits“ ist der Titel eines Buchs des Philosophen Nathan Ballantyne, auf den ich durch ein Interview im Forbes-Mazagin aufmerksam wurde. Der Aufhänger des Interviews war die Beobachtung, dass viele Leute sich öffentlich und mit klaren Meinungen zur COVID-Pandemie äußern, deren Expertise auf ganz anderen Gebieten als der Virologie oder Epidemiologie liegt. Wenn man Experte auf einem Gebiet ist und vielleicht gar Professorin, heißt das noch nicht, das man auch zu anderen Themen gut fundierte Bewertungen abgeben kann. In seinem Buch geht Nathan Ballantyne der Frage nach, wie wir erkennen können, wo die Grenzen unseres Wissens liegen und wann unsere Überzeugungen nicht wirklich gut begründet sind. Er schreibt für eine allgemeine Leserschaft, doch man muss sich an vielen Stellen gut konzentrieren, um seinen tiefgehenden philosophischen Überlegungen zu folgen. Als Belohnung bekommt man viele gute Gedankenanregungen und lernt interessante Anekdoten, Zitate und Ergebnisse ...

Die Rolle von Viren in der Schöpfung

COVID-19, AIDS, Vogelgrippe, Ebola, spanische Grippe – diese und viele andere gefährliche Krankheiten werden durch Viren ausgelöst. Wenn wir von einer besseren Welt träumen dürften, wäre das doch bestimmt eine Welt ohne Viren – oder? Leider ist das nicht so einfach. Die erwähnten Krankheitsviren sind nur ein verschwindender Teil der riesigen Vielfalt von Viren, die es in der Natur gibt. Die meisten von ihnen scheinen keine sichtbaren Krankheitssymptome hervorzurufen. Man schätzt, dass es weit mehr als 100 Millionen Virenarten gibt, die Tiere befallen, und unzählige weitere Viren für Pflanzen und Bakterien. Anhand der wenigen Viren, die bisher erforscht wurden, wissen wir, dass Viren auf vielfältige Art einzelne Organismen und ganze Ökosysteme beeinflussen. Alles Leben scheint von ihnen abhängig zu sein. Im Erdboden und sogar im Ozean wimmelt es von Viren. Jeder Milliliter Tiefseewasser enthält drei Millionen Viren, und jeder Milliliter Küstenwasser enthält 100 Millionen Viren. Eini...