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Posts mit dem Label "Evolution: Mechanismen" werden angezeigt.

Dogmatismus in der Biologie

In den vergangenen Jahrzehnten hatte ich mehrere Forschungsprojekte in der Biologie. Dabei fiel mir ein Unterschied zur Physik auf: In der Biologie schienen bestimmte Auffassungen erstaunlich lange als nahezu unangreifbar zu gelten. Besonders in der Evolutionsbiologie hatte ich mehrfach den Eindruck, dass alternative Ideen zunächst beinahe reflexartig abgewehrt wurden, wenn sie den von bestimmten Autoritätspersonen vertretenen Lehrmeinungen widersprachen. Einer meiner Biologie-Kollegen sprach in diesem Zusammenhang von „Platzhirschen“. Mit Interesse habe ich deshalb beobachtet, wie sich bei mehreren Themen im Laufe der Jahre die wissenschaftliche Stimmung allmählich wandelte. Im Folgenden möchte ich drei solche Beispiele betrachten: 1. die Frage der sympatrischen Artbildung, 2. die Diskussion um Gruppenselektion und 3. die Durchlässigkeit der Weismann-Barriere. Früher galt in der Evolutionsbiologie fast als selbstverständlich, dass neue Arten nur durch geografische Trennung entstehe...

Der Templeton-Preisträger 2026: Simon Conway Morris

Der britische Paläontologe Simon Conway Morris wird in diesem Jahr mit dem Templeton-Preis ausgezeichnet . Der Templeton-Preis ist einer der am höchsten dotierten Preise weltweit und wird an Persönlichkeiten verliehen, die die Möglichkeiten der Wissenschaft nutzen, um den großen Fragen nach dem Universum und der Rolle und Bestimmung des Menschen darin nachzugehen. Nicht wenige der bisherigen Preisträger haben wichtige Beiträge zum Verhältnis von Wissenschaft und Glauben geleistet, und einige von ihnen durfte ich sogar persönlich kennenlernen. Zu ihnen gehört auch Simon Conway Morris. Geboren 1951 in England, entwickelte er früh ein Interesse an Fossilien und studierte in Bristol Geologie mit Schwerpunkt Paläontologie, ein Feld, das sich mit den Spuren vergangenen Lebens beschäftigt. Danach ging er nach Cambridge, wo er promovierte und später Professor für evolutionäre Paläobiologie wurde. Internationale Bekanntheit erlangte er vor allem durch seine Arbeiten zum Burgess-Schiefer ...

War Louis Pasteur ein Kreationist?

Als ich neulich im Internet eine Suchanfrage zu dem berühmten Chemiker Louis Pasteur (1822-1895) machte, staunte ich nicht schecht, als einer der ersten Treffer eine kreationistische Webseite war. Louis Pasteur hatte gezeigt, dass Mikroorganismen nicht spontan entstehen, sondern nur durch Vermehrung schon vorhandener Mikroorganismen. Darauf verweisen Kreationisten, um zu argumentieren, dass das Leben auf der Erde nicht aus unbelebter Materie entstanden sein kann. Pasteur hat damit aus ihrer Sicht Evolution widerlegt, und deshalb wird er von ihnen vereinnahmt, zumal er sich auch skeptisch gegenüber der damals ganz neuen Theorie Darwins äußerte. Bevor wir diskutieren, ob Pasteur als Kreationist verstanden werden kann, sollten wir den Begriff klären: In einem allgemeinen Sinn sind alle, die glauben, dass Gott der Schöpfer der Welt und des Lebens ist, Kreationisten. In diesem Sinne bin ich es auch. Schon der mittelalterliche Theologe Thomas von Aquin lehrte, dass wir zwischen Erst- und Z...

Ist Religion durch Evolution entstanden?

Für die Entstehung von Religion wurden schon viele Erklärungen vorgebracht. Vor hundert Jahren verbreitete sich die Auffassung, Träume seien die frühesten spirituellen Erfahrungen. Denn Schlafen und Träumen ist ein anderer Bewusstseinszustand und wird auch heute noch in einigen Gesellschaften als Tor zu einer anderen Welt betrachtet. Sigmund Freud hatte eine psychoanalytische Erklärung und meinte, dass Religion auf einen Mord zurückgeht: Ein Stammespatriarch wurde von seinen geplagten Söhnen umgebracht. Um ihr Gewissen zu besänftigen, machten sie ihn hinterher zum Gott. Einige halten Totemismus für die Urform von Religion: Beim Totemismus glaubt man an eine Verbindung oder Verwandtschaft zwischen Menschen und bestimmten Tieren oder Pflanzen oder Gegenständen, den sogenannten Totems. Daher sind Totems Teil der Identität dieser Menschen und dürfen nicht beschädigt werden. So soll die Idee, dass etwas ‚heilig‘ ist, entstanden sein. Am weitesten verbreitet ist die Auffassu...

Die Evolution der Evolutionstheorie

Der Begriff „Evolution“ wird mit verschiedenen Bedeutungen verwendet, die leider oft durcheinander gebracht werden. Nach Michael Ruse 1 sollte man drei Bedeutungen dieses Begriffs klar voneinander trennen. Die erste Bedeutung ist die „Tatsache Evolution“, nämlich dass alle biologischen Spezies über einen gemeinsamen Stammbaum miteinander verwandt sind. Die zweite Bedeutung ist die „Evolutionstheorie“, die sich mit den Prozessen und Mechanismen befasst, die hinter der Entwicklung der Arten stehen. Die dritte Bedeutung schließlich ist der „Evolutionismus“, also eine naturalistische Weltanschauung, die behauptet, dass die wissenschaftliche Beschreibung eine vollständige Beschreibung der Welt liefert und dass es keine darüber hinaus gehende Realität gibt. Diese Weltanschauung steht natürlich im Gegensatz zum christlichen Glauben, dass Gott die sichtbare Welt geschaffen hat.  Die „Tatsache Evolution“ ist durch die Fossilien, die Biogeographie (d.h. die Verteilung der Arten über die Er...

Kann man Glauben wissenschaftlich erklären?

Die Wissenschaft macht auch vor der Religiosität des Menschen nicht halt. Sie denkt darüber nach, wie der Glaube an Gott und an übernatürliche Mächte in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit entstanden ist und wie die Religiosität in unseren Genen und unserem Gehirn verankert ist. Sie sucht also nach ‚natürlichen‘ Ursachen dafür, dass wir eine starke Neigung zum Glauben haben. Manche Forscher meinen, dass das Finden von solchen natürlichen Ursachen den Glauben widerlegt. Denn wenn herauskommt, dass unsere Neigung zum Glauben im Gehirn verdrahtet ist, dann können wir ja kaum anders als zu glauben. Glaube resultiert dann nicht aus einer nüchternen Analyse des Wahrheitsgehalts von Glaubensaussagen, sondern aus Umständen, die uns oft nicht bewusst sind und nicht von uns kontrolliert werden können. Sobald wir das erkennen, sollten wir laut diesen Forschern die Konsequenzen daraus ziehen und den Glauben durch rationale Erkenntnisse ersetzen. Die Entstehung der Religiosität in der Entwick...

Was ist „Intelligent Design“?

„Intelligent Design“ bedeutet „intelligente Konzeption“ oder „intelligente Planung“. Die Vertreter dieses Konzepts argumentieren, vieles in der belebten Natur sei so komplex, dass es unmöglich durch natürliche Prozesse allein entstanden sein kann. Es müsse ein intelligenter Konstrukteur dahinter stecken. Weder der Begriff noch das Argument ist neu, doch seit den 1990er Jahren wurde „Intelligent Design“ zu einem vor allem in den USA viel diskutierten Begriff, da viele evangelikale Christen sich darum bemühten, ihn in die Lehrpläne von Schulen zu integrieren, was widerum die Gegner auf den Plan rief. Die „Intelligent-Design“-Bewegung ist nicht homogen, sondern umfasst Leute mit verschiedenen Sichtweisen. Ich möchte mich daher in diesem Beitrag auf die Argumente und Ideen derjenigen beiden Wissenschaftler konzentrieren, die durch ihre viel gelesenen Bücher einen besonders prägenden Einfluss haben. Der Biochemie-Professor Michael Behe aus dem Staat Pennsylvania in den USA beschreibt in sei...

Der Gastkommentar von Kardinal Schönborn

Am 7.7.2005 veröffentlichte die New York Times einen Gastkommentar des Wiener Kardinals Schönborn mit dem Titel „Finding Design in Nature“ („Den Plan in der Natur entdecken“), der einen Sturm an Reaktionen auslöste. In diversen Medienreaktionen wurde Schönborn beschimpft als „Kreationist“, „Fundamentalist“ oder als jemand, der hinter die Aufklärung zurückgehen will. Was sind die Aussagen des Kardinals, die derartige Vorwürfe ausgelöst haben? Sein Artikel, den man z.B. hier in deutscher Übersetzung nachlesen kann, beginnt mit den Worten: Seit Papst Johannes Paul II. 1996 erklärt hat, dass die Evolution (ein Begriff, den er nicht definierte) „mehr“ sei als nur eine „Hypothese“, haben die Verteidiger des neo-darwinistischen Dogmas eine angebliche Akzeptanz oder Zustimmung der römisch-katholischen Kirche ins Treffen geführt, wenn sie ihre Theorie als mit dem christlichen Glauben in gewisser Weise vereinbar darstellen. Aber das stimmt nicht. Die katholische Kirche überlässt der Wissensc...

Können wir biologische Unsterblichkeit erreichen?

Stellen Sie sich vor, es gäbe ein Elixier, das unseren Alterungsprozess bei täglicher Einnahme radikal verlangsamen würde, so dass wir nicht im Alter von 80, sondern von 800 Jahren sterben würden. Würden Sie dieses Elixier nehmen? Wahrscheinlich stellen Sie zunächst die Gegenfrage, ob so etwas überhaupt jemals möglich werden kann. Ist das Altern nicht ein Naturgesetz? In unserem Körper gehen mit den Jahren immer mehr Dinge kaputt: die Blutgefäße werden steifer; das Gedächtnis und die Körperkräfte lassen nach; die Stammzellen der Haut erreichen die Grenzen ihres Teilungsvermögens, so dass die Haut sich immer schlechter erneuert; die Reparaturmechanismen der DNA funktionieren nicht mehr so gut wie früher, so dass sich Mutationen ansammeln und wir anfälliger für Krebs werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass wir unseren nächsten Geburtstag noch erleben, sinkt folglich mit zunehmendem Alter. Doch das muss nicht so sein. Zumindest nicht aus Sicht der Physik. Da Lebewesen dauernd aus ihrer Um...

Forscht, wer an Gott glaubt, anders?

Vor 20 Jahren saß ich auf einer Konferenz über die Modellierung von Evolutionsprozessen in Ungarn beim Frühstück dem bekannten Evolutionsbiologen Eörs Szathmáry gegenüber. Er fragte mich, wie ich dazu kam, als Physikerin an der Evolutionstheorie zu forschen. Ich erzählte ihm, dass mein christlicher Glaube mich dazu motivierte. Ich war mit der Lehre aufgewachsen, dass die Evolutionstheorie falsch sei. Durch die Auseinandersetzung mit meinem Chef in den USA wurde mir klar, dass ich mich nie gründlich über den Wissensstand zu Evolution informiert hatte. Als Christin fühlte ich mich aber verpflichtet, aufrichtig zu sein und mich über die Fakten zu informieren. Schnell wurde ich nach Lektüre einiger Bücher davon überzeugt, dass Evolution stattgefunden hat. Aber die Erklärungen darüber, wie Evolution funktioniert, fand ich nicht ausreichend. Um mehr darüber zu lernen, habe ich dann beschlossen, in dieses Forschungsgebiet einzusteigen. Eörs Szathmáry hörte offen zu und meinte, dies sei eine i...