Posts

Posts mit dem Label "Erde" werden angezeigt.

Ein Archiv aus Eis

Vor längerer Zeit unterhielt ich mich nach dem Gottesdienst mit einer Frau über den Klimawandel. Als ich sagte, dass der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre heute deutlich höher ist als jemals während der letzten 800.000 Jahre, sah sie mich entsetzt an. Ihrer Auffassung nach existierte die Erde nämlich erst seit wenigen Tausend Jahren. Doch ich hatte eine Weile zuvor einen Artikel in Nature über eine drei Kilometer tiefe antarktische Eiskernbohrung gelesen. Aus der im Eis eingeschlossenen Luft hatten die Forscher die Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre der vergangenen 800.000 Jahre bestimmt. Doch woher weiß man eigentlich, wie alt das Eis in drei Kilometern Tiefe ist? Ein Eiskern ist schließlich nicht mit Jahreszahlen beschriftet. Solange die jährlichen Schneeschichten noch deutlich erkennbar sind, zählt man sie wie die Jahresringe eines Baumes. Mit zunehmender Tiefe werden die Schichten jedoch immer dünner und stärker verformt. Irgendwann reicht das Zählen allein nicht mehr aus. ...

Wie speziell ist die Erde?

  Man hört immer wieder, dass unsere Erde ein ganz besonderer Planet sei, dessen Existenz extrem unwahrscheinlich ist. Daraus wird dann gefolgert, dass Gott bei der Entstehung der Erde seine Hand im Spiel hatte, weil er einen lebensfreundlichen Planeten schaffen wollte. Doch wie speziell ist die Erde wirklich? Und was wissen wir über die Prozesse, durch die Planeten gebildet werden? Der US-amerikanische Astrophysiker Sean Raymond, der führend in der Forschung zur Planetenentstehung ist, erklärt auf seiner Webseite in einer auch für Nicht-Experten verständlichen Sprache den Wissensstand. Dieses Wissen beruht erstens auf der Untersuchung unseres Sonnensystems, insbesondere auch der Meteoriten, zum anderen auf der Beobachtung anderer Sternen und der sie umkreisenden Planeten, und drittens auf Computersimulationen von Planetenentstehung. Die Geschichte unseres Sonnensystems begann vor etwa 4,6 Milliarden Jahren in einer riesigen Gas- und Staubwolke, die hauptsächlich aus Wassersto...

Glaubte man im Mittelalter wirklich an die flache Erde?

Haben Sie auch in der Schule gelernt, dass Christopher Kolumbus von kirchlichen Vertretern gewarnt wurde, er würde nicht Indien erreichen, sondern vom Rand der Erde herunterfallen, wenn er immer weiter nach Westen segeln würde? Diese Geschichte ist erfunden, doch sie tauchte ab ca. dem Jahr 1880 in Schulbüchern auf und hat sich bis heute gehalten. Wie entstand dieser Mythos, wieso ist er so weit verbreitet, und was wussten gebildete Menschen und Kirchenvertreter im Mittelalter tatsächlich über die Gestalt der Erde? Dass die Erde eine Kugel ist, wussten die griechischen Denker schon einige Jahrhunderte vor Christus. Pythagoras und Platon glaubten beide an die Kugelgestalt der Erde. Aristoteles brachte im 4. Jahrhundert v. Chr. ein einfaches Argument dafür: die Erde wirft bei Mondfinsternissen einen runden Schatten auf den Mond. Eratosthenes berechnete im 3. Jahrhundert v. Chr. sogar den Erdumfang: Er beobachtete, dass in Assuan zur Sommersonnenwende ein Brunnen komplett beleuchtet war...

Ein frommer Saurierforscher

 Friedrich Freiherr von Huene, seit 1898 Professor für Paläontologie in Tübingen, war zu seiner Zeit der führende Experte für fossile Reptilien und Amphibien in Europa und war weltweit insbesondere als Fachmann für Dinosaurier bekannt (so der Wikipedia-Eintrag zu seiner Person). Gleichzeitig war er ein gläubiger Christ, der die ganze Bibel als Gottes Wort betrachtete. Im Jahr 1937 schrieb er ein Büchlein mit dem Titel „Weg und Werk Gottes in Natur und Bibel“, in dem er seinen Mitchristen aufzeigt, dass die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Erdgeschichte und der Entwicklung des Lebens und des Menschen „Tatsachen“ sind, und erläutert, wie sie mit der biblischen Schöpfungs- und Heilsgeschichte zusammenpassen. Dieses Büchlein konnte ich gebraucht über das Internet bestellen und möchte einige Gedanken daraus weitergeben. Das Vorwort schrieb Huenes Kollege Karl Heim von der Fakultät für evangelische Theologie. Dort heißt es: In der Gemeinde der Gläubigen sind heute viele von der Fra...

Sollen Christen sich für die Umwelt einsetzen?

Neulich überhörte ich bei einem christlichen Treffen ein Gespräch, bei dem jemand sagte, dass die Sorge für die Umwelt für ihn als Christ kein vorrangiges Thema sei. Die Welt würde ja sowieso untergehen. Es sei viel wichtiger, ein paar hundert Kilometer mit dem Auto zu fahren, um einem Freund, der auf der Suche nach Gott sei, zu helfen, als auf diesen Kohlendioxidausstoß zu verzichten. Bei mir regte sich Widerspruch, und das gleich aus mehreren Gründen. Erstens werden hier zwei Aufgaben, die wir als Christen haben, gegeneinander ausgespielt, als würde die eine die andere ausschließen. Dabei ist doch die Sorge für die Schöpfung ebenso unsere Aufgabe wie das Verkündigen des Evangeliums. Freilich gibt es Situationen, in denen man verschiedene Werte gegeneinander abwägen muss, doch das steht nicht im Widerspruch dazu, dass sie alle wichtig sind. Zweitens wird die Zerstörung der Natur als etwas Unabänderliches dargestellt. Doch es gibt viele Möglichkeiten, den Schaden zu verringern und hie...

Beeinflusst Gott das Wetter?

Ich kenne einige eindrucksvolle Berichte darüber, dass Gebet sich auf das Wetter ausgewirkt hat. In seinem autobiographischen Buch „Da kann ich nur staunen“ berichtet der Pfarrer Heinrich Kemner von dem jährlichen Ahldener Jugendtag, die zum Zeitpunkt des Schreibens bereits 35mal stattgefunden hatte, immer unter freiem Himmel und mit mehreren tausend Teilnehmern. Das Gebet um gutes Wetter für den Jugendtag wurde so zuverlässig erhört, dass die benachbarten Schützenvereine dazu übergingen, ihr Jahresfest auf denselben Tag zu legen. Als eines Jahres der Wetterbericht für den Jugendtag Gewitter, Sturm und Niederschläge ankündigte, sah es so aus, als würde diese Gutwetter-Serie abbrechen. Entsprechend intensiv, aber auch von Zweifeln erfüllt, waren die Gebete. Am Vortag des Jugendtages entsprach das Wetter genau der Vorhersage. Doch am Jugendtag selbst schien am Ort des Treffens die Sonne – während wenige Kilometer entfernt die Wolkenbrüche niedergingen. Eine meiner Lieblingsgeschichten ...

Kann die Wissenschaft nur Gegenwärtiges erforschen?

Neulich las ich auf einer Webseite, dass die Wissenschaft nur Gegenwärtiges erforschen kann. Ich fragte mich, was damit gemeint sei. Zählen Kosmologie, Paläontologie, Geologie, Archäologie, Kriminalistik und die Geschichtswissenschaften nicht zu den Wissenschaften? Sie alle befassen sich mit Dingen, die in der Vergangenheit geschehen sind. Beim Nachdenken und Weiterlesen wurde mir deutlich, dass man mit dieser Aussage auf verschiedene Dinge abzielen kann und dass ich schon verschiedene Versionen dieser Aussage gehört habe. Diese möche ich im Folgenden besprechen. 1. Wissenschaft kann nur mit gegenwärtig verfügbaren Belegen und Daten arbeiten: Dies ist richtig und schränkt unsere Erkenntnismöglichkeiten ein. Wir können nur über diejenigen Ereignisse und Vorgänge etwas erfahren, deren Spuren noch vorhanden und uns zugänglich sind. Wenn ein steinzeitlicher Volksstamm vom Rest der Welt isoliert war und keine mehrere tausend Jahre überdauernden Spuren zurückgelassen hat, werden wir nie e...

Fromme Einwände gegen den Klimawandel

In einigen christlichen Kreisen zirkuliert die Meinung, der Klimawandel würde nicht stattfinden oder sei nicht von Menschen verursacht. In den USA sind es vor allem evangelikale Christen, die vor dem „climate hype“ warnen. In Deutschland redet man von „Klimahysterie“. Die Klimawissenschaftlerin Katharine Hayhoe hat es sich zum Anliegen gemacht, den Klimawandel insbesondere ihren Mitchristen zu erklären, und wurde schon mehrfach für ihre Öffentlichkeitsarbeit ausgezeichnet. Dabei erfährt sie allerdings auch viel Opposition. Fast täglich werden ihr auf den diversen Kommunikationskanälen fromme Einwände gegen den Klimawandel zugeschickt. In einem Vortrag Mitte dieses Jahres erklärte sie, warum diese Einwände eigentlich nur Augenwischerei sind. Im Folgenden nenne ich die von Hayhoe erwähnten fünf häufigsten frommen Einwände und ihre Antwort darauf. Gott hat die Kontrolle, deshalb können wir das Klima nicht beeinflussen: Hier wird argumentiert, dass Gott die Herrschaft über die Welt ...

Forscht, wer an Gott glaubt, anders?

Vor 20 Jahren saß ich auf einer Konferenz über die Modellierung von Evolutionsprozessen in Ungarn beim Frühstück dem bekannten Evolutionsbiologen Eörs Szathmáry gegenüber. Er fragte mich, wie ich dazu kam, als Physikerin an der Evolutionstheorie zu forschen. Ich erzählte ihm, dass mein christlicher Glaube mich dazu motivierte. Ich war mit der Lehre aufgewachsen, dass die Evolutionstheorie falsch sei. Durch die Auseinandersetzung mit meinem Chef in den USA wurde mir klar, dass ich mich nie gründlich über den Wissensstand zu Evolution informiert hatte. Als Christin fühlte ich mich aber verpflichtet, aufrichtig zu sein und mich über die Fakten zu informieren. Schnell wurde ich nach Lektüre einiger Bücher davon überzeugt, dass Evolution stattgefunden hat. Aber die Erklärungen darüber, wie Evolution funktioniert, fand ich nicht ausreichend. Um mehr darüber zu lernen, habe ich dann beschlossen, in dieses Forschungsgebiet einzusteigen. Eörs Szathmáry hörte offen zu und meinte, dies sei eine i...