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Kopernikus, Galilei und die Bibel

Der Fortschritt der Wissenschaft brachte mehrfach althergebrachte Vorstellungen über die Welt ins Wanken und zwang die Menschen dazu, ihr Weltbild zu revidieren. In mehreren Blogbeiträgen möchte ich vier dieser wissenschaftlichen Entdeckungen behandeln: die Entdeckung, dass die Erde nicht im Mittelpunkt des Kosmos steht, die Entdeckung, dass die Erde sehr viel älter ist als die Geschichte der Menschheit, die Entdeckung der Geschichte des Universums und die Entdeckung, dass alle Lebewesen durch einen gemeinsamen Stammbaum miteinander verwandt sind. Diese Entdeckungen und die damit einhergehenden Umwälzungen bisheriger Vorstellungen wirkten sich auch auf die Kirchen aus und die Art, wie man die Bibel verstand. Ich finde es sehr lehrreich, diese historischen Umwälzungen zu betrachten, denn sie helfen uns zu unterscheiden zwischen dem, was der Kern des christlichen Glaubens und was die zeit- und kulturbedingte Verpackung ist, die sich bestimmt auch in Zukunft wieder verändern wird. Die ...

Am dritten Tage auferstanden von den Toten

Immer wieder erlebe ich überraschte Reaktionen, wenn ich sage, dass die Auferstehung Jesu von den Toten die Grundlage meines Glaubens ist. Der Glaube ist für viele etwas Subjektives, das niemand überprüfen oder widerlegen kann. Die Auferstehung Jesu dagegen ist ein behauptetes historisches Ereignis, für das man die Belege überprüfen kann und im ungünstigsten Fall feststellen muss, dass die These nicht haltbar ist. Noch schlimmer, die Auferstehung Jesu ist ein Wunder, das den naturgesetzmäßigen Abläufen widerspricht. Tote werden nun mal nicht wieder lebendig, und schon gar nicht so, dass sie danach verschlossene Räume betreten und plötzlich wieder verschwinden können. Wie kann ich als Physikerin so verrückt sein, die biblischen Berichte, die dies erzählen, für glaubwürdig zu halten? Es gibt nicht wenige Theologen, die sich dieser doppelten Gefahr, durch historische Forschung widerlegt und durch Naturwissenschaftler belächelt zu werden, dadurch entziehen, dass sie die Auferstehung Jesu ...

Eine Art Dreikampf

 Als gläubige Physikprofessorin bin ich in verschiedenen Welten unterwegs, die im Allgemeinen recht wenig übereinander wissen: Durch meinem Beruf bin ich in der Welt der Naturwissenschaften zuhause: Ich forsche zusammen mit meinen Doktorandinnen und Doktoranden und einigen Studierenden an spannenden Fragen an der Grenze zwischen Physik und Biologie, aber auch zur Quantenphysik. Außerdem erfahre ich durch verschiedene Tätigkeiten, die auch zu meinem Beruf gehören, was sich sonst so in der Physik und Biologie tut: das geschieht durch Konferenzen, Kolloquiumsvorträge, Fachzeitschriften, Doktorprüfungen und Begutachtungen. Meine Vorlesungen und Seminare helfen mir ebenfalls, einen breiten Überblick über die Physik zu behalten: Im Gegensatz zu vielen anderen Fächern gibt es in der Physik die Tradition, dass die Professoren den gesamten Kanon an Vorlesungen ihres Fachs halten. So habe ich in den vergangenen Jahren mehr als 10 verschiedene Vorlesungen ausgearbeitet und fast ebenso viele v...